Dienstag, 17. August 2010

Gesundheitsseminar - aktuell

Das heutige Gesundheitsseminar lautet “Was bedeutet Spiritualität?” und wird von einer katholischen Seelsorgerin gehalten. Bei der Teilnahme steht “freiwillig”. Ich finde es interessant, das als Gesundheitsseminar anzubieten. Da ich vorher Wassergymnastik habe und schon den ganzen Tag friere, weiß ich nicht, ob ich mit nassen Haaren dort reinsetze.
Bekanntlich hilft der Glaube Berge zu versetzen, vielleicht hilft's auch bei Depressionen.

Sonntag, 15. August 2010

Ein anderer Sonntagsklassiker

Meine Tischnachbarin Amelie ist in einer evangelischen Freikirche. Sie besucht während der Reha auch den Gottesdienst und hat bereits zwei freikirchliche Gemeinden in Bad Hersfeld zum Gottesdienst besucht. Heute morgen war ich dabei. Wir fuhren zu viert zur Babtistengemeinde. Die Begrüßung war freundlich. Der Gottesdienst startet persönlich. Jeder neue konnte sich zu Wort melden oder grüßen. Die Predigt selbst sprach mich sehr an. Sie hatte verschiedene Aspekte. Die wichtigste Aussage war, dass man nicht glauben sollte, weil es Vorzüge bringt sondern weil man einfach an Gott glauben möchte. Das sprach mich besonders an, weil ich in letzter Zeit immer wieder gedacht hatte, dass es “praktisch” wäre zu glauben. Dann könnte ich die Schicksalsschläge besser verkraften. Früher war die Vorteile Gläubig zu sein für mich unwichtig. Also zurück auf Start. Ich habe mir das Buch E-Mail von Gott gekauft. Die kleinen Briefe gefallen mir gut. Ansonsten habe ich in der Predigt bemerkt, dass heilige Geist mir überhaupt nichts sagt. Gott ist bekannt. Jesus Lebensgeschichte und die Gleichnisse kenne ich ebenso halbwegs. Ich frage Amelie mal. Sie wird mir mehr dazu sagen können. Ich hoffe, sie erlebt einen schönen Nachmittag mit ihrem Freund und würde mich freuen, wenn es sich weiterentwickelt.

Erster Eindruck von der Klinik am Hainberg

Das Haus wird umgebaut. Die Patientenzimmer werden modernisiert. Die Klinik besteht aus verschieden hohen Häuser, wobei die ältesten aus den 70er Jahren stammen. Teilweise ist eingerüstet. Das höchste Stockwerk, die 7, ist bereits fertig und bewohnt.  Noch gestern sagte ein Patientin zur anderen beim Heimkommen: “Wenn man hier reinkommt, denkt man es ist ein Hotel”. Das Entree mit der Rezeption und dem Wasser legt diese Vermutung nahe. Wenn die Umbauten nicht wären, wäre der erste Eindruck uneingeschränkt positiv.
Demnächst beschreibe ich mal die Zimmer.
Aussenansicht von der Anfahrt: Hainberg-Klinik 
Jeder ist zuerst geschockt. Aber es sind nicht alle Häuser eingerüstet und wenn man Glück hat, bekommt man ein Zimmer in einem anderen Haus oder hat das Zimmer auf der Seite, wo kein Gerüst ist.
Es ist nicht so schlimm wie es zuerst aussieht!


















Blick in das Foyer der Klinik

ein Tag wird schön ...

Morgennebel, der Tag soll schön werden... und der Tag wird schön.

Samstag, 14. August 2010

Ausdrucksmalen am Samstag morgen - freiwillig

Für heute morgen hatte ich mich zum Ausdrucksmalen angemeldet. Ich hatte keine Ahnung was das ist. Wir bekamen jede Menge verschiedene Farben vorgestellt und dann ging's los. Ich probierte zuerst die Kreide und dachte an Pink und eine Lotusblume. Ich hatte kein genaues Bild vor Augen und so dachte ich dann an eine Seerose und bettete die Blütenblätter in sattes Grün. Drum herum musste blau-türkis-grün schimmerndes Wasser. Die verschiedenen Finger nahm ich um die Farbe zu verwischen. Die Therapeutin empfahl mir, die Konturen die mir fehlten, mit Wachsstiften einzufügen. Wenn ich diese dann verwischte, nahm ich leider ebenfalls wieder Kreide vom Papier. Also ließ ich es dann und musste leider einen Wasserflecken von ein Malnachbarin ertragen. Die Therapeutin fixte die Farbe mit Haarspray und ich war in einer halben Stunde fertig. So schnell und spontan war ich bei so etwas, glaube ich, noch nie. Dann startete ich ein zweites Bild mit Acrylfarbe. Ich sah interessante Techniken mit Karten und Schwämmchen bei den anderen. Dieses Bild ist noch nicht fertig. Da andere viel zu viel Farbe in die Palette getan hatten und ich noch nicht fertig war, durfte ich die Farbe ausnahmsweise mitnehmen. Glück gehabt. Das Werk muss bis morgen warten. Heute war das Wetter viel zu schön.

Kunsttherapie am Fr. 13.8.2010

Wir haben gesammelt, welche Tätigkeiten wir gerne als Kind und überhaupt gemacht haben.Es kam vieles zusammen. Witziger Weise gab es einige gemeinsame Interessen in der Gruppe, die ich nicht erwartet hatte.

Im nächsten Schritt sollten wir unterstreichen, was wir davon noch während der Depression gemacht haben. Das war bei jedem immens reduziert.

Dann haben wir gelernt, dass wir mit verändertem Verhalten die Abwärtsspirale unterbrechen können.

Wir sollen das Tun, was uns Freude bereitet. Damit das Vorhaben nicht versandet, sollen wir konkret Verabredungen planen.

Warum haben manche Menschen Depressionen und andere nicht?

Warum haben manche Menschen mit der gleichen Belastung wie andere Depressionen und die anderen nicht?
Es gibt viele Menschen, die die gleichen Belastungen (violett) haben. Doch nicht jeder bekommt Depressionen. Von großer Bedeutung scheint die Vulnerabilität (=Verletzlichkeit, grün) des Einzelnen (unterschiedliche Säulen) zu sein.
Wer verletzlicher ist, muss besser für sich sorgen!
Linie oben ist Depression; unten normales Befinden


Belastungen / Stress [violett]
  • Verlust eines Menschen (Bspl. Trennung, Tod, Wegzug bester Freund)
  • Veränderungen in der Familie (Bspl. Auszug eines Kindes, kann Zusatz oder Wegfall sein)
  • Stress am Arbeitsplatz / Arbeitslosigkeit
  • Umzug
  • Chronische Überforderung / Dauerkonflikt
  • Wenig Sozialkontakte und dadurch wenig positive Erfahrungen
Vulnerabilität (=Verletzlichkeit) [grün]
  • Körperliche Krankheiten
  • Genetische Faktoren (in Familie gehäuft, geerbt oder gelernt / abgeguckt) [was war zuerst Huhn oder Ei; es werden Disposition heisst nicht, dass man es kriegt: Nicht jeder der Windpocken hat, kriegt Gürtelrose]
  • Instabilität der Botenstoffe (z. B. Serotonin)
  • Familiäre Faktoren, frühe Verlusterlebnisse (nicht nur Tod, sondern Trennung, Wegzug) [als Kind ist ein Umzug gravierend, etwas was wegfällt]
  • Schlechtes Selbstwertgefühl (wir lernen durch Beobachten, z.B. werden Mädchen nicht geschätzt wie Jungs)
  • Depressionsfördernde Einstellungen (z. B. hohe Leistungserwartung - das ist der wichtigste Punkt)


Freitag, 13. August 2010

Liebe Antoniette, (ja, Du bist gemeint Du spielfreudige Sonne)

Es hat so einen Spaß gemacht mir Dir zu spielen und zu lachen. Es war so schön. Sicherlich freut sich Dein Mann Dich wieder zu haben, denn Deine Herzlichkeit und Deine Lebensfreude ist (wenn Du keine Depressionen hast) erfrischend ansteckend. Heute Abend haben wir in erweiterter Runde ein neues Spiel probiert. Das hat auch seinen Reiz: mit Fantasie und Pokerface kann man es gewinnen. Susanne und der oberfränkische Stier haben gewonnen. Auch der Rothaarige mit dem Du Dich gut verstanden hast, hat mitgespielt.
So einfach war es nicht in das Spiel rein zukommen. Danach haben wir mit 11 Leuten, das neue Kartenspiel eingeweiht. Herzlichen Dank für Solo: Immer wenn ich mit meinen von Karten vollen Pfoten "geniessen" darf, denke ich an Dich. Es sieht so aus, als wenn ich der letzte Mohikaner sein werde, denn es kommen keine spielfreudigen Menschen nach. Ich wünsche Dir an dieser Stelle alles, alles Gute und wenn ich mal auf dem Weg bin, komme ich bei Dir sehr gerne vorbei.

Entstehung von Depressionen & Depressionsspirale

Bisher haben wir in der Kunsttherapie gelernt, dass unsere Bewertung - also unsere Gedanken Depressionen auslösen. Zum Beispiel denken wir, dass uns jemand nicht mag, weil er uns nicht grüßt. Wir haben dann das Gefühl, dass wir zurückgewiesen werden. Das führt  zu dem körperlichem Symptom Magenschmerzen. Daraufhin reagieren wir mit Rückzug und dieses Verhalten bewirkt, dass wir weniger positive Begegnungen machen können, weil seltener dazu Gelegenheit ist und so geht die Depressionsspirale weiter.

Donnerstag, 12. August 2010

Schlaf ausgebrochen

Gestern bin ich wegen Müdigkeit früh ins Bett. Heute Vormittag habe ich nach meinen Terminen geschlafen. Heute Abend habe ich das Essen verschlafen und jetzt möchte ich auch nur ins Bett. Die Schlafkrankheit ist ausgebrochen. Heute morgen hatten bei der Frühgymnastik sehr viele mit dem Kreislauf zu kämpfen - ich auch. Hier ist es immer dampfig. Selbst wenn der Tag schön wird, hängt morgens dicker Nebel im Tal, über den ich nur im 4. Stock hinwegschauen kann und wir liegen nun schon auf dem Berg.

Dienstag, 10. August 2010

Der Abschied geht weiter

Liebe Tina (ich denke, Du weißt, dass ich Dich meine), es war schön, dass wir uns kennengelernt haben. Es hat Spaß gemacht mit Dir zu spielen und zu lachen. Danke, dass Du trotz geringer Spielerfahrung über Deinen Schatten gesprungen bist. Und nein, es war nicht schlimm, dass Du vom Vorabend bis zum nächsten Tag eine Regel mal vergessen hast. Ich habe mich gefreut, dass Du es wieder getan hast. Ich verstehe gut, dass man sich blöd vorkommt. Ich habe jedoch erfahren, dass hier nicht nur ich sondern ganz viele sehr darunter leiden, dass sie durch Ihre Erkrankung weit hinter ihrer gewohnten Leistung zurückbleiben. Du bist nicht allein.
Da es jetzt Zeit fürs Bett wird: Ich wünsche Dir weiterhin den Mut, Dinge anzugehen und zu überwinden. Du weißt, "MUT" heisst genauso "mit Unterstützung trainieren". Ich wünsche Dir die richtige Unterstützung und alles Liebe und Gute auf Deinem weiteren Weg. Should we do it again? Yeah, yeah

Gruppentherapie: Selbstwertschätzung verbessern

Das Arbeitsblatt, das wir bekommen haben. Mir gefällt daran die gesunde Mischung zwischen Selbsteinschätzung und Einbettung in das Umfeld. Den ersten Punkt sollen wir nämlich von anderen auf Neutralität beurteilen lassen und ich bin mir sicher, dass wir auch Feedback von Menschen bekommen, wenn es so gar nicht stimmt, was wir schreiben.


Selbstwertschätzung verbessern

  • Machen Sie sich Ihre Stärken und Schwächen bewusst (indem Sie sie akkurat aufschreiben: d.h. ich wiege XY kg anstatt “Ich bin dick”).
  • Stehen Sie zu Ihren Schwächen
  • Führen Sie ein “POSITIV-Buch”
  • Fragen Sie Familie, Freunde, Kollegen, etc. was diese an Ihnen schätzen
  • Misserfolge / Fehler sind eine Chance zu lernen
  • Gehen Sie achtsam mit sich um (d.h. werten sie Ihr Verhalten und loben Sie sich für Verhalten, aber be- und entwerten Sie sich nicht als ganze Person)
  • Sprechen Sie achtsam und respektvoll mit sich selbst.
  • Nutzen Sie als Quelle hauptsächlich Selbstbeobachtung (Vergleiche und Rückmeldungen durch andere können Sie nicht beeinflussen)
  • Setzen Sie sich realistische Ziele, die Sie auch erreichen können (Vermindert das Risiko von Mißerfolg)
  • Kein Mensch ist nur gut oder nur schlecht


Gesundheitsvortrag Alltagsdrogen

Der Vortrag war nicht so ganz mein Ding. Mitnehmen kann ich, dass man Gewohnheiten hinterfragen sollte. Muss also immer beim Grillen ein Bier dabei sein? Was meines Erachtens völlig falsch ist, dass man nach 1-2 Monaten über den Berg ist. Selbst ich als Wenigraucher kam noch Jahre später in Versuchung, wenn ich in eine bestimmte Situation kam. Und bei einer Diät habe ich gelernt, dass sich der Geschmack erst nach 2 Jahren umstellt und auch weniger Fett schmackhaft findet. Essen war aber heute nicht unser Thema. Anbei meine Mitschrift.


Was sind Alltagsdrogen? Alkohol, Medikamente, …
sie sind leicht zugänglich
Was passiert, wenn diese nicht mehr da sind?
Wann nehme ich die Sachen zu mir?
Hat mit Genuss zu tun?
Was ist daran angenehm?
Wie wirken Tranquilizer? z.B. Valium (wirkt ca. 16 Stunden): angstlösend, haben relative Wirkung

  • Tavor ist gutes Medikament
    Entzug brutal, Entzugserscheinungen können bis zu einem halbes Jahr später andauern, goldene Regel: nicht länger als 4 Wochen

Wozu Alltagsdrogen?

  • Leistungsfähig bleiben
  • Gleichgewicht halten
  • Angst überwinden
  • Hemmungen verlieren
  • Einschlafen können
  • Entspannen u. a.

viele Alltagsdrogen werden aus Gewohnheit konsumiert
Unterscheidung zwischen Missbrauch und Abhängigkeit
Missbrauch: gezielter Einsatz bei Schwierigkeiten. Wenn dies zur Gewohnheit wird, beginnt Missbrauch
Psychische Abhängigkeit

  • Starkes Verlangen sonst Unruhe, Ängste, Aggressionen
  • Gewohnheit verursacht bei Weglassen Gedanken (Flasche Bier zum Abendbrot)

Körperliche Abhängigkeit

  • Suchtmittel ist in Stoffwechsel eingebaut 
  • Nach Absetzen Entzugserscheinungen wie Schweißausbrüche, Fieber, Muskelschmerzen, Krämpfe u. a.
  • Um Entzugssymptome zu vermeiden, muss häufig die Dosis erhöht werden

Gesundheitsrisiken von Alkoholmissbrauch

  • Erkrankungen von Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse und Leber (Gamma-GT als Indikator -kann aber auch durch Medikamente verursacht sein)
  • Herz- und Gefäßerkrankungen
  • Hautveränderungen
  • Veränderungen an Nerven und Gehirn (Gehirn ist verkleinert)
  • Schwächung des Immunsystems
  • Erhöhte Unfallgefahr

Für Alkoholiker ist alkoholfreies Bier aber auch Lebensmittel wie Desserts mit Alkoholgeschmack aber ohne Alkohol bereits riskant.

Risiken bei Medikamentenabhängigkeit

  • Benziodiazepine
  • Mischanalgetika
  • Nierenschäden, Magengeschwüre, Kopfschmerzen (Thomalpi)
  • Barbiturate
  • Starke Abhängigkeit

Gesundheitsrisiken von Nikotinmissbrauch

  • Chronische Bronchitis
  • Lungen- und Kehlkopfkrebs
  • Herzinfarkt
  • Raucherbein
  • Schwächung des Immunsystems
  • Früh- und Fehlgeburten
  • Verringerte Lebenserwartung

Der Begriff Co-Abhängigkeit betont, dass beide abhängig sind: der (die) Partner (in). Beide haben Freiheit verloren, beide können nicht mehr anders.
Es geht dabei um Instrumentalisierung, z.B. man meldet den anderen wegen Grippe krank, obwohl er besoffen ist, weil man sonst Angst vor sozialem Abstieg und und und hat

Phasen der Co-Abhängigkeit

  • Beschützer- oder Erklärungsphase
  • Kontrollphase
  • Anklagephase

Oberbergkliniken gegründet von jüngstem Professor auf Basis seiner eigenen Erfahrungen Kliniken gegründet
=> ergo es kann jeden zu ganz verschiedenen Zeitpunkten treffen

Montag, 9. August 2010

An meinen lieben Schatz

Ich liebe an Dir Deine Offenheit, die immer nach kurzem Aufbocken kommt und ich schätze es, dass wir über so vieles sprechen können. Ein wirkliches Geschenk vom lieben Gott ist, dass wir ähnliche Interessen haben und oft das Gleiche zur selben Zeit wollen. Bussi

Kommen & Gehen - zwischen Abschiedsschmerz und Wiedersehnsfreude

Gestern hätte ich meinen lieben Besuch am liebsten mitgeschleift zum Italiener, da die anderen dahin gegangen sind. Wir haben dann später darüber gesprochen und wollen beide - soweit das unsere Gesundheit zulässt - wieder mehr Kontakte pflegen. Leute treffen mit ihnen spielen und auch die, die man mag, die aber öfter Stuss reden. Jeder hat seine Macken und kann sowohl nerven als auch Interessantes oder Amüsantes erzählen.
Der Kölner sagt: Jedem Tierchen sein Plässierchen.
Gestern konnte ich den Abschiedsschmerz meines Besuchs mit einem Theaterbesuch überwinden. Heute habe ich dann erfahren, dass zwei liebe Mitpatienten mit denen ich herzlich gelacht habe, übermorgen fahren. Das finde nicht nur ich schade. Beide sagten, sie würden glatt noch bleiben, auch wenn sie sich auf zuhause auch freuen. In den ersten drei Wochen ihres Aufenthalts hatte sich keine so nette Gruppe gebildet. Ich befürchte, mir wird es anders rum gehen. Nun wollen wir aber das Miteinander noch genießen und das Beste daraus machen. Also schau ich mal, wo sich die anderen rumtreiben. A bisserl was geht immer.

Samstag, 7. August 2010

Radeln im Sonnenschein

Heute habe ich meinen Hintern auf einer längeren Radtour getestet und festgestellt, dass er nicht langstreckentauglich ist. Mein Bester wollte eigentlich noch weiter, weil es dort einen Kaliberg gibt und der sieht zweifelsohne imposant aus. Na ja, beim Essen am Abend musste ich dann vor Müdigkeit aufpassen, dass mein Kopf nicht im Salat landet. Jetzt geht's wieder - mit der Müdigkeit, leider nicht mit dem Hintern. Die Sonne war klasse und da wir auf einer alten Bahnstrecke gefahren sind, war der Weg dort auch nicht zu steil und teils schattig. Er wäre ideal fürs Skaten. Also es gibt auch in Nordhessen viel Schönes, was einen Urlaub lohnen würde.

Freitag, 6. August 2010

Besuch & Erwartungen

Die räumliche Distanz und die Fokussierung auf sich, macht sensibel. So merkte ich deutlich in einem Anruf gestern, anhand eines Satzes und die Einbettung dieses einzigen Satzes in den Kontext, seine klare Botschaft. "Nutze die Zeit." Damit war gemeint, dass ich anschließend wieder die Aufgabe zu tragen habe. Wenn es dabei um Arbeiten ginge und die eigene Existenz betreffe, würde ich es verstehen- Gemeint ist jedoch, dass ich mich dann wieder um jemanden kümmern soll. Ich habe mich nicht aufgeregt. Vor meinem Aufenthalt hier wollte ich ein Gespräch und dieser Punkt wäre ein Thema gewesen. Da das Treffen dazu, mit anderen Dingen "missbraucht" wurde, habe ich den Punkt abgehakt. Ich werde der Erwartung nicht entsprechen. Jetzt eben ohne den Hinweis und die Ankündigung. Aus die Maus und daher werde ich von dieser Person kein Telefonat mehr entgegen nehmen.  
Heute besucht mich mein Freund und ich fühle mich sehr heterogen. Zum einen freue ich mich auf ihn. Zum anderen werde ich mit dem auf mich konzentrieren gestört und ich weiß nicht, wie ich damit umgehe. Es war allerhöchste Eisenbahn, dass ich mal Zeit hatte, mich nur auf mich zu konzentrieren.

Donnerstag, 5. August 2010

Wie lange muss eine Therapie dauern?

Durch Zufall war meine erste Einzeltherapiesitzung (nach Rückfrage mit meinem Einverständnis verkürzt, der zweite Teil folgt noch) und ich durfte die Erfahrung sammeln, dass auch eine halbe Stunde sehr effizient sein kann. Zumindest habe ich genug, was ich mitnehme und zu überdenken habe. Die Tatsache, dass ich dabei auch von mir gesetzte Dinge, in meinem eigenen Interesse in Frage bzw. hinterfragen soll, hat mich natürlich erschüttert. Wir brauchen halt alle etwas, wo wir uns dran festhalten können. Ja, und leider ist es unter Depressionen so, dass Fähigkeiten wie zum Beispiel ein gutes Gedächtnis oder Konzentration schwinden können. Was uns dann noch mehr erschüttert, noch unsicherer macht und nicht zur Genesung beiträgt. Also suchen wir weitere Eigenschaften und verschüttete oder unbekannte Fähigkeit, die unser Selbstwertgefühl steigern.
Und ich tigere mit meinen Gedanken unruhig umher und zum ersten Mal seit ich hier bin nerven mich die freundlichen Mitpatienten. Wenn sie mundfaul wären, passt’s gerade besser zu mir. Apropos Mund. Es gibt Mittag. Maaahlzeit. Apropos Malen: Ich war gerade noch in der Kunstwerkstätte und raffte mich auf, das Seidentuch zu bemalen. Ich musste aber nach kurzem Aufhören, weil die Konturenfarbe - kurz Cuta - erst trocknen muss. Ein Zuzsatznerv - es muss doch was weitergehen. Wir sind doch gewohnt oder ich bin gewohnt, Leistung zählt. Schaffe, schaffe,...

Dienstag, 3. August 2010

Resümee zum 6. Tag

Der Tag startete entnervend, weil ich früher als nötig wach wurde und hier müssen viele gegen ihre Gewohnheit erheblich früher aufstehen. Blutentnahme, Frühstück, Gruppentherapie mit einem Thema, dass uns alle berührt. Erkenntnis, Schmerz, Verzweifelung
Unnötiges Warten auf ein überflüssige Visite, dabei aber ein ansprechendes Gespräch. Dafür bin ich zu spät zur Kunsttherapie. Dort habe ich soviel zur Gestaltung von Seide, Speckstein und Ton gehört, dass ich mit meinem Schlafdefizit locker die Seide in den Ofen stecke, den Ton poliere und die falschen Farben verwende.
Mittag - Essen ist und bleibt wichtig. Es sah nicht überzeugend aus und es hörte sich auch nicht so an. Dünne Fleischscheiben mit Kartoffeln und Frankfurter Soße. Kein Salat bzw. der vom Vortag. Als Gemüse gab es nur das gestrige als Salat. Hmm, dachte ich. Das dünn geschnittene Fleisch war okay. An den Kartoffeln war Petersilie und in der Frankfurter Soße, die einer dünnen Remoulade ähnelte, waren frische Kräuter und so schmeckte es fein. In Anbetracht meiner ersten Ablehnung fragte ich mich, ob ich jetzt auch schon nachdem ich eine neues Lebensjahrzehnt begonnen habe, im Zuge der Überalterung ;-) nach dem Motto lebe “Watt der Buuer nitt kennt, frett er nitt!“
Die Ernährungsberatung überraschte mich positiv. a) auf dem aktuellen Stand, b) nicht dogmatisch, sondern ein realistischer und damit vernünftiger Ansatz  und c) kein erhobener Zeigefinger und keine Klugscheißerei.
Das Seminar Gesundheit, Thema Rücken, brachte kaum Neues. Dafür gefielen mir zwei der abschließenden Übungen besonders. Vorher war Tischtennis und ich war davon total verschwitzt. Der anschließend heißersehnte Superduperkurzschlaf fand nicht statt. Ich konnte nämlich nicht einschlafen.
Nachdem Abendbrot tauschte ich mich noch mit meiner Tischnachbarin aus, die später einen privaten Auswärtstermin hatte. Sie hatte ein Buch erstanden. In diesem Zusammenhang beschlich mich bereits vorher als ich “Heimkehrer” mit vielen Tüten sah, das Gefühl, das die Wirtschaft in Bad Hersfeld nicht schlecht von den Patienten lebt. Das Personal spricht allerdings auch von chronischer Unterbesetzung in der Klinik selbst.
Dann haben wir im Aufenthaltsraum Karten gespielt - nicht Rommé *Dauergrins* und dabei hat es mich ein paar mal vor Lachen zerrissen. Das war schön.




Rommé oder die Frage, wie flexibel bin ich?

Gestern haben wir Rommé am Nachmittag und am Abend mit wechselnden Mitspielern gespielt. Ich stellte fest, es gibt unendlich viele verschiedene Varianten dieses recht einfache Spiel durchzuführen. Angefangen von den Modi wie Karten gezogen werden oder, ob durch Klopfen erworben. Wann und wie viele Punkte sind erforderlich um Karten abzulegen und in welcher Form (für mich völlig neu)? Ach und so ging es toujour weiter. Es erschien mir teilweise ungerecht, noch mehr abhängig vom Kartenglück als notwendig und es nervte mich. Ich reagierte ungehalten, genervt. Ich war maulig und staunte über mich selbst. Ich hatte die Abende vorher fast immer verloren, aber diesmal kotzte es mich wirklich an. Warum konnte ich damit nicht flexibler umgehen? Irgendwie brauche ich Rahmenbedingungen, die können sich ändern, aber dann muss mal wieder gut.