Montag, 2. August 2010

5. Tag - Strom am Morgen

Durchgeschlafen, aber wieder kurze Nacht. Frühstück war sehr kurz. Noch schnell für die Tischnachbarin Brötchen gerettet, weil sie zur Blutabnahme war. Dann ging’s zur Frühgymnastik. Badminton stand auf dem Programm. Also zurück zum Zimmer Hallenturnschuhe. Die Therapeutin hätte das nicht so eng gesehen. Doch mir nutzt das bei anderen strengen Hausmeistern später nix. Dabei habe ich dann noch nach dem Nachnamen meiner Tischnachbarin geschaut. Klar, mit Vornamen kann man keinen entschuldigen. Und ich bin mit meinem schlechten Namensgedächtnis schon stolz, wenn ich mir die Vornamen merke. Im Aufzug traf ich dann meine spätere Federballpartnerin, die mir erzählte, dass es viel zu früh für jegliche Art von Aktivität ist und sie noch viel zu müde ist. Ich bewunderte sie schon für soviel Auskunftsfreude, dazu bin ich morgens nicht in der Lage, wenn ich nur körperlich anwesend bin, mein Geist jedoch im Bett schläft.
Da mir letztens mein Freund sein Rekord von über 250 Ballwechseln mitteilte, fing ich sofort an zu zählen, als wir dann als letzte in der Gruppe loslegten. Die anderen kämpften bereits. Beim ca. dritten Ballwechsel schafften wir 54. In den 20 Minuten schafften wir dann sogar 66 und ich war mächtig stolz auf uns und lobte es. Ich dachte wir hätten anschließend Visite, weil es letzte Woche so war.

Grundsätzlich zu Zeiten und Terminen:
Alles verändert sich. Ich weiß nicht, ob das Absicht oder eben so ist, ABER: Die Sprechstundenzeiten von Therapeuten, Ärzten und Schwestern variieren. Die Termine wie zum Beispiel Gruppengymnastik sind auch wenn es sich um die gleiche Gruppe handelt, nicht immer zur gleichen Zeit. Das Mittagessen findet am Wochenende früher statt. Usw. Kurzum - merken lohnt sich nicht. Am besten immer den Therapieplan dabei haben. Dann lassen sich auch neue Termine leicht vereinbaren.

Für mich artet diese Terminjagd in Streß aus. Ich hatte nachdem Badminton trotz enormem Schweiß noch Power und rannte die Treppe hoch. Eine Mitpatientin klärte mich auf, dass noch nicht Visite ist, da eben die Uhrzeit meiner zweiten Gymnastikstunde eine andere war. Puh, also stand ich dann tierisch UNTER STROM in meinem Zimmer. Machte eine paar Dehnungsübungen und übte eine Standwaage für meinen Lieblingssport. Das hatte ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht und nicht geschafft. 

Verloren oder verschüttet?
Letzte Woche in der Einführungsveranstaltung schaute die Oberärztin auf eine Definition. Dort ging es darum die verloren gegangenen Fähigkeiten wieder zu erwerben, als ein Ziel einer Reha. Sie empfahl das Wort verschüttet anstelle von verloren, denn wir alle gaben ihr recht: Verlorenes erscheint eher unwiederbringlich.
Also wir hoffen auf Beseitigung des Schutts und Wiedererscheinen unser Fähigkeiten.

Sooooooo: Schreiben hilft gegen Strom. Ich bin jetzt ruhiger und muss los zur Schwester, um was zu regeln.

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